Mauerblümchen

Rasestandards und Normen für das Deutsche Mauerblümchen
18 Objekte, Texte

Dieses Projekt zeigt, dass die mit patentierten Genen und Rassestandards einhergehende Beherrschbarkeit der Natur nur scheinbar gegeben ist. Alle Mauerblümchen sind durch gezielte Eingriffe ins Erbgut nutzbar gemacht worden, gleichzeitig sind sie nach Frauen benannt, die tatsächlich existiert haben. Diese Namenspatinnen lebten oft lange Zeit in der Mitte der Gesellschaft, doch hinter der bürgerlichen Fassade verbarg sich ein Abgrund: Sie mordeten aus Geltungssucht, Enttäuschung, Gier oder einfach zum Zeitvertreib und dabei waren sie genau so „giftig“ wie es auch die Mauerblümchen sind.

Hier der Aufbau bei meinen Einzelausstellungen im Frauenmuseum Wiesbaden und im Kunstverein Wesseling.


DMG-Standard Nr. 01.1a/RVG/1908-08
Zwanziger-Mauerblümchen*

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 19.08.2008
Verwendung: Ziergewächs
Gruppe 1 (Vertikalgewächse) / Sektion A (Rippen-Vertikalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Das Zwanziger-Mauerblümchen ist aufgrund seiner floralen Schönheit als Ziergewächs kultiviert worden. Mit der Blütezeit wandelt sich das harmlose Gewächs jedoch und wird durch eine starke Blausäureabgabe über die Gefäßwand äußerst gefährlich. Nachdem immer wieder Todesfälle auftraten, ist die Zucht heute Spezialisten vorbehalten.

Erscheinungsbild: Mittelgroßes, florales Gewächs mit bestechenden Coronen und eleganter Farbgebung.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Scheitel: Flach gerundet, von den obersten Lamellen der Corona gebildet.
Corona: 8 Lamellen blütenförmig aufgefächert, harmonisches Erscheinungsbild.
Primus: Stets unter Lamellen verborgen, tragen lang herabhängende Scheinwurzeln.
Collum: Breit, länglich und grau mit Pigmentierung.
Schulter: Nahezu gerade verlaufend, gut abgesetzt.
Kragen: Nicht ausgebildet.
Lippe: Von gut entwickelter Länge, leicht geschwungen, mit harmonisch gerundetem Pol.
Rippe: Lang, gut ausgeprägt und fein in den Korpus auslaufend.
Schuh: Prägnant aber fein, stark abgesetzt.
Zuchtausschließende Fehler: Dreifarbigkeit oder Scheckung. Schwach entwickelte Corona.

* Anna Margaretha Zwanziger konnten mindestens 6 Morde durch Arsen nachgewiesen werden. Sie vergiftete in erster Linie die Frauen ihrer Arbeitgeber (da sie selbst auf eine Ehe hoffte) aber auch Dienstboten, Besucher und schließlich die Arbeitgeber selber. Zwanziger selbst bestritt die Morde – sie wollte die Opfer „nur“ krank machen und bestrafen. Sie wurde 1811 enthauptet.
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DMG-Standard Nr. 01.2a/RVG/2508-08
Margarete Beier-Mauerblümchen*

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 25.08.2008
Verwendung: Medizinische Nutzung
Gruppe 1 (Vertikalgewächse) / Sektion A (Rippen-Vertikalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Nach der Entdeckung der Gifteinlagerung wurde das Grete Beyer- Mauerblümchen zu Forschungszwecken und für die medizinische Nutzung gezüchtet. Auch die genetische Veränderung(Amt für Pflanzenmodifikationen und Zuchtnormen, Köln, Nr.: MA/RVG 01.2a-2508-08) konnte das bei Verletzung austretende Giftgas nicht unter Kontrolle bringen. Nach dem Tod einiger Laboranten ist die Zuchtreihe heute eingestellt.

Erscheinungsbild: Mittelgroßes Vertikalgewächs mit kräftigem Korpus und leicht verkleinertem Aufbau. Harmonische und zartfarbige Gesamterscheinung.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Scheitel: Gleichmäßig gefranste Kante, schwach ausgeprägte Rundung.
Corona: Tulpenförmig aufgerichtet und elegant mit regelmäßigen Aussparungen.
Primus: Halbkugelförmig in perfekter Harmonie mit der Corona.
Collum: Geschwungen und leicht konisch zulaufend. Am Übergang zum Primus ein hängendes Scheinkläppchen.
Schulter: Doppelschulter, leicht aufgezogen, trockener und gerader Verlauf.
Kragen: Ebenmäßig, leicht zurückgesetzt.
Lippe: Im Ansatz kräftig, dann parallel verlaufend. Gerader Pol.
Rippe: Deutliche Doppelrippe, die in der oberen Hälfte zusammenwächst.
Schuh: Nicht ausgebildet.
Zuchtausschließende Fehler: Rippenlosigkeit oder einfache Rippe. Knick-Coronen.

* Marie Margarete Beier setzte ein gefälschtes Testament ihres Bräutigams auf und vergiftete ihn am Vortag der Hochzeit mit Zyankali, schoss ihm dann mit einem Revolver in den Mund, um seinen Suizid vorzutäuschen. Unmittelbar nach der Tat verschickte sie gefälschte Briefe, um den Suizid glaubhaft zu machen. Grete Beier wurde am 23. Juli 1908 im Alter von 22 Jahren guillotiniert.
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DMG-Standard Nr. 01.3a/RVG/0610-08
Genene Jones-Mauerblümchen*

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 06.10.2008
Verwendung: unbekannt
Gruppe 1 (Vertikalgewächse) / Sektion A (Rippen-Vertikalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Die frischen Coronen des Genene Jones-Mauerblümchens sind Säuglingen oft als Schnullerersatz gegeben worden. Durch die Verletzung der Außenhaut, was oft durch Bisse der Kinder geschah, wurde eine schwach zyankalihaltige Schicht freigelegt. Viele Kinder sind allmählich an dem Gift erkrankt und gestorben.

Erscheinungsbild: Kompaktes, mittelgroßes Gewächs. Farblich überzeugender Dreiklang mit spektakulären Coronen.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Scheitel: Harmonisch gewölbt.
Corona: Kompliziert geformt, transparent und von gummiartiger Substanz.
Verströmt ein leichtes Fruchtaroma.
Primus: Klein und knollenförmig in den Korpus mündend.
Collum: Halbkugelförmig und sehr symmetrisch gewölbt. Ziegelfarben bis blutrot gefärbt.
Schulter: Gut abgesetzt und sehr ebenmäßig verlaufend. Schulterdornen angelegt.
Kragen: Nicht ausgebildet.
Lippe: Mäßig lang und geschwungen, mit Aussparungen und leichter Pigmentierung versehen.
Rippe: Vertikal ansteigend. Im Ansatz mit deutlicher Rippenzehausbildung.
Schuh: Zurücktretender Hemmschuh. Kaum ausgebildet.
Zuchtausschließende Fehler: Trübe Coronen.

* Genene Jones verabreichte Säuglingen und Kleinkindern per Injektion Medikamente, die zu einem lebensbedrohlichen Zustand führten, um diese dann anschließend zu „retten“. Insgesamt gab es 46 verdächtige Todesfälle, mit denen die Krankenschwester in Zusammenhang stehen könnte. Sie wurde 1985 lediglich wegen zwei Tötungen angeklagt und zu 99 und 60 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Aufgrund der Tatsache, dass die Verwaltung des Krankenhauses nach Bekanntwerden der Fälle alle Aufzeichnungen und Patientenakten für den fragliche Zeitraum vernichtete, konnten die übrigen Fälle nie geklärt werden.
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Besnard-Mauerblümchen*

Geschichtlicher Abriss: Der gemahlene Schaft des Besnard-Mauerblümchens ist lange als Verdickungsmittel Speisen zugesetzt worden. Nach einem Skandal mit etlichen Todesopfern und langwierigen Untersuchungen wurde das Gewächs – trotz bleibender Zweifel – als „unbedenklich“ eingestuft. Inzwischen ist das Gewächs durch andere Substanzen ersetzt worden.

Erscheinungsbild: Außergewöhnliche Eleganz und stark ausgebildete Fußdornen machen dieses Gewächs einmalig und unverwechselbar.

* Marie Besnard war die Angeklagte in einem aufsehenerregenden, neun Jahre dauernden Mordprozess. Ihr wurden zwölf Giftmorde zur Last gelegt. Ihre Opfer waren nicht nur Ehemänner, Großmutter, Schwiegereltern und Cousinen (die sie alle reich beerbte) sondern auch Nachbarn und Bekannte. Marie Besnard wurde am 12.Dezember 1961 aus Mangel an Beweisen von der Anklage des zwölffachen Giftmordes frei gesprochen.
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Nannie Doss-Mauerblümchen*

Geschichtlicher Abriss: Die essbare Knolle des Doss-Mauerblümchens lagert alle aus dem Boden oder der Luft absorbierbaren Giftstoffe im süßlich schmeckenden Fruchtfleisch ein. Dadurch kann das Gewächs als Güteindikator für Bodenbelastungen herangezogen werden. In der Nähe von kontaminierten Böden sind jedoch etliche Vergiftungsfälle zu beklagen.

Erscheinungsbild: Auffällig gefärbte und koboldhafte Erscheinung mit knolligem, orangerotem Schaft.

* Nannie Doss („Arsenic Annie“) vergiftete neben ihren fünf Ehemännern noch ihre Mutter, zwei Schwestern, drei ihrer Kinder und Enkelkinder sowie einen Neffen. Nannie gestand später nur die Morde an ihren Männern, die sie damit begründete, dass sich keiner als ihr Traummann erwiesen hatte. Ihr wurde nur wegen Samuel Doss der Prozess gemacht und sie wurde schließlich in Oklahoma wegen Mordes verurteilt. Nannie Doss starb 1965 im Alter von 59 Jahren im Gefängnis an Leukämie.
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